Melencolia A.D., 2007
© Miguel Rothschild
Miguel Rothschild hat sich den Polyeder aus Albrecht Dürers Holzschnitt MELENCOLIA I für seine Skulptur zum Vorbild genommen. Der Polyeder, der die Geometrie symbolisiert, ist aus unzähligen Dreiecken zusammengebaut, die aus farbigen Plastikstrohhalmen bestehen. So ist ein buntes, labyrinthisches Gebilde entstanden, das einer fröhlichen Mathematik entsprungen scheint. Dabei ist der Gemütszustand der Melancholie eher schwermütig. Zu Dürers Zeiten wurde die Melancholie aber auch dem Genialen und der künstlerischen Imagination zugeordnet, die damals u.a. auf den Erkenntnissen der Geometrie fußte. Erwin Panofsky deutete die MELENCOLIA I als spirituelles Selbstbildnis Albrecht Dürers. Bei Rothschild wird die Hommage zu einer Identifikation des Jüngeren mit der kunsthistorischen Vergangenheit auf einer heiteren, aber auch über die Zeiten hinaus verbindenden künstlerischen Ebene. Dem Wesen des Künstlers entspricht weniger die Geometrie, als vielmehr die Melancholie, die das Wissen um die Flüchtig- und Endlichkeit allen Seins in sich birgt.

